Adenauers Moskaureise im Blick der Pressefotografen Hanns Hubmann, Benno Wundshammer und Ernst Grossar
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Aus den bpk-Beständen
Hanns Hubmanns fotografischer Einsatz im Bolschoi-Theater
Autorin: Anne Schulte
Viele Pressefotografen, deren Nachlässe sich heute im bpk-Fotoarchiv befinden, dokumentierten das Zeitgeschehen über lange Zeit – von der Weimarer Republik über die NS-Zeit, den 2. Weltkrieg bis in die Zeit der BRD oder DDR.
Etliche der Fotografen kannten sich und trafen sich bei wichtigen politischen Ereignissen – so auch die drei Fotografen Hanns Hubmann, Benno Wundshammer und Ernst Grossar.
Bei Adenauers wegweisender Reise nach Moskau im Jahr 1955 waren sie ebenfalls vor Ort. Bei der Erschließung der Bilder dieser Reise zeigte sich anhand einiger Aufnahmen besonders anschaulich, wie eng ihre Arbeit miteinander verwoben war.
So fand sich in Hanns Hubmanns Nachlass ein Abzug des Fotografen Benno Wundshammer, auf dessen Rückseite notiert ist:
„Hubmann ‚schießt‘ um die Säule herum auf deutsch-russische Ballettzuschauer 1955“
Bei näherer Betrachtung des Bildes ließ sich so identifizieren, wer neben der Ehrenloge des Bolschoi-Theaters die Politiker Heinrich von Brentano, Konrad Adenauer, Nikolaj Bulganin und Nikita Chruchtschow von rechts um die Säule herum fotografiert: Es war der Fotograf Hanns Hubmann!
© bpk-Fotoarchiv / Benno Wundshammer |
Ein Abgleich mit Fotografien von Ernst Grossar zeigte: Auch auf seinen Bildern aus dem Bolschoi-Theater ist Hanns Hubmann bei seiner Arbeit zu sehen! Hier sind die „Verrenkungen“ von Hubmann auf der Suche nach dem perfekten Motiv fast noch besser zu erkennen:
© bpk-Fotoarchiv / Ernst Grossar | © bpk-Fotoarchiv / Ernst Grossar |
Benno Wundshammer und Ernst Grossar müssen beim Aufnehmen ihrer Fotos quasi nebeneinander gestanden haben.
Aber welches Bild hat Hanns Hubmann in diesem Moment gemacht und ist es ihm geglückt, das perfekte Motiv zu „schießen“?
© bpk-Fotoarchiv / Hanns Hubmann |
Tatsächlich fängt Hanns Hubmanns Bild der deutschen und russischen Politiker bei diesem so wichtigen Staatsbesuch einen Moment ein, in dem diese geradezu entspannt und nahbar wirken. Er ist besonders „nah dran“ an diesen mächtigen Menschen dieser Zeit und sein Bild wurde vielfach veröffentlicht.¹
Hubmann war mit seiner Kamera stets am Puls der Zeit und fotografierte unzählige bedeutende Persönlichkeiten. Auf die Frage, welche Staatsmänner ihn besonders beeindruckt hatten, sagte er: „Khrushchev, Adenauer, Eisenhauer, Churchill not so much. My favourite model was Khrushchev.“² Man meint, es auf diesem Bild zu spüren.
Solche Entdeckungen machen deutlich, dass Fotografien mehr sind als Zeitdokumente dessen, was sie abbilden: Sie zeigen auch die Arbeit der Fotografen, ihren jeweiligen spezifischen Blick und den Einsatz für das, was sie ins Bild bannen wollten. Ein Forschungsthema, zu dem sich im bpk-Fotoarchiv reichlich Material findet.
- z.B. Hubmann, Hanns: Die Anfänge der BRD. Bilder der Adenauerzeit. München, Herbig 2009; > Titel im StabiKat Hubmann, Hanns: Die Adenauer-Zeit 1949–1967. Bilder zur Zeitgeschichte, München 1983. > Titel im StabiKat
- aus: Hallett, Michael: Hanns Hubmann. In: History of photography. Vol. 20, London/Washington DC, Taylor & Francis, 1996, S. 89–92. > Titel im StabiKat